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Was macht noch die Stiftung Siebenbürgische Bibliothek ?

Rückblick auf das Geschäftsjahr 2010

Die Stiftung ist kein Mitgliederverein, sondern auf das Mitwirken der gesamten Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen und der Freunde Siebenbürgens angewiesen. Dadurch ist sie auch verpflichtet, diesen Personenkreis über ihre Tätigkeit periodisch zu informieren. Das tut sie mit der Unterstützung der Siebenbürgischen Zeitung, die ihr für gelegentliche Beiträge und für den Jahresrückblick Raum zur Verfügung stellt. Um den Lesern nicht nur nackte Zahlen vorzulegen, werde ich zum besseren Verständnis auch einige Hintergrundinformationen hinzufügen.

Der emeritierte Landesbischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Dr. D. Christoph Klein, hielt am 10. Dezember 2010 in Bad Kissingen einen beachtenswerten Vortrag über die Bedeutung der Kirchenburgen in Siebenbürgen als erhaltenswertes Kulturgut und als Kristallisationspunkt des Selbstverständnisses der Siebenbürger Sachsen. Er sprach auch über die sehr schwere Bürde, die die aktuellen Besitzer mit der Pflege und Erhaltung dieses Nachlasses, besser gesagt, dieser Hinterlassenschaft, zu tragen haben. Es fehlen die Erben, die Nachlassverwalter, die Nutznießer, die bereit sind, die Pflege auf Dauer zu übernehmen. Mehr dazu im Beitrag von Doris Hutter in der Siebenbürgischen Zeitung vom 20. Januar 2011.

Weshalb gehe ich auf diesen Vortrag ein? Weil wir achtgeben müssen, dass wir die in unserer neuen Heimat errichteten Identitätswahrzeichen nicht vernachlässigen, obwohl wir sehr wohl in der Lage sind, sie zu erhalten und auszubauen. Welches sind diese Wahrzeichen? Ich zähle nur einige davon auf: Die Heimatortsgemeinschaften und die Kreisgruppen mit ihren gesellschaftlichen und kulturellen Anliegen, die Hilfsvereine mit den Alten- und Pflegeheimen und, als öffentliches Schaufenster unserer Geschichte und Kultur, die Siebenbürgische Zeitung, das Siebenbürgische Museum und das Siebenbürgen-Institut. Diese und alle anderen, hier nicht genannten Institutionen gilt es am Leben zu erhalten und zu stärken, wenn wir uns als eigenständige Gemeinschaft behaupten wollen. Wir müssen keine Erben suchen, keine Nachlassverwalter einsetzen, wir selbst sind die Nutznießer und Erhalter dieser Einrichtungen.

Jede unserer Organisationen hat für die Wahrnehmung der anfallenden Aufgaben die Verantwortung zu übernehmen und geeignete Personen dafür auszusuchen. Die Verantwortung besteht aber auch für die Schaffung der nötigen Voraussetzungen, unter anderem für die materielle Grundlage. Aus diesem Grund sind zahlende Mitglieder genau so wichtig wie aktive, auch wenn Letztere zusätzlich einen Großteil ihrer Freizeit opfern und Aufregungen und manchmal sogar Enttäuschungen in Kauf nehmen müssen.

Eine dieser Organisationen ist die Stiftung Siebenbürgische Bibliothek, über die bereits etliche Male berichtet wurde. Trotzdem möchte ich im Zusammenhang mit dem Jahresrückblick 2010 einige Aspekte ihrer Aufgabenstellung hervorheben und erläutern. Es ist eine kleine Organisation. Sie besteht aus einem sechs- bis achtköpfigen Beirat, der die Einhaltung der Satzung überwacht, einen dreiköpfigen Vorstand wählt und dessen Arbeit kontrolliert. Der Vorstand ist für das operative Geschäft zuständig, im Wesentlichen für Öffentlichkeitsarbeit, Vermögensverwaltung und Vergabe von Fördermitteln. Satzungsgemäß lautet der Zweck der Stiftung (Auszug): „…Sie ist eine Förderstiftung im Sinne von § 58 Nr. 1 AO, die ihre Mittel ausschließlich zur Förderung der Siebenbürgischen Bibliothek mit Archiv in Gundelsheim/Neckar und zur Förderung der Wissenschaft verwendet. …“ Die konkrete Aufgabe, die sich die Stiftung als erstes Ziel gestellt hat, ist der Aufbau eines Vermögens, mit dessen Erträgen zwei bis drei Personen im Siebenbürgen-Institut, dem Träger der Siebenbürgischen Bibliothek, auf Dauer beschäftigt werden können. Wie wir alle wissen, ist sowohl die Stelle des Wissenschaftlichen Leiters als auch die des Geschäftsführers vakant, ganz abgesehen davon, dass außer einem Bibliothekar die anderen fünf Beschäftigten nur mit Teilzeit- oder Miniverträgen angestellt und von Spenden abhängig sind.

Angesichts dieser Situation ergab sich der öfters genannte benötigte Vermögensbetrag von vier Millionen. Bei einer durchschnittlichen Verzinsung von 5% ergäbe das einen jährlichen Ertrag von 200.000 €, für jede der drei Stelle also etwa 67.000 €. Berücksichtigt man die vom Arbeitgeber zu entrichtenden Nebenkosten von rund 50%, blieben für das Gehalt 34.000 € pro Jahr, weniger als 3.000 € Brutto pro Monat. Damit einen Wissenschaftlichen Leiter anzuwerben, ist mit Sicherheit nicht ganz einfach, d. h., für den Geschäftsführer und die dritte Person wird weniger übrig bleiben.

Es ist also sehr knapp kalkuliert, was wir uns vorgenommen haben. Das ist Absicht. Damit bleibt das Ziel überschau- und erreichbar. Es wirkt nicht abschreckend auf die potentiellen Unterstützer. Ob es in Zukunft weiter ausbaubar ist, wird man sehen. Das Ziel der Stiftung stimmt mit der Aufgabe der Siebenbürgischen Bibliothek gut überein. Die Bibliothek will nicht Kirchen, Burgen und andere Gebäude instandhalten und bewahren. Diese Aufgabe wäre sowohl für die Bibliothek, als auch für die Stiftung nicht zu bewältigen. Es geht erst einmal darum, die Dokumente unserer Existenz aus Vergangenheit und Gegenwart zu sammeln, zu bewahren und auszuwerten. Das ist schon aufwendig genug und benötigt den Einsatz möglichst vieler unserer Landsleute, um mit geringen Einzelbeträgen den Kapitalstock aufzubauen. Noch gibt es eine zu geringe Anzahl von Personen, die sich für dieses Ziel engagieren, und eine noch viel kleinere, gemessen an der Gesamtheit der Siebenbürger Sachsen, die sich mit Zuwendungen von 100 € und mehr am Aufbau der Stiftung beteiligen. Andererseits gibt es einige wenige, die schon 10.000 € überwiesen oder Daueraufträge für monatliche Überweisungen eingerichtet haben.

Insgesamt flossen seit Gründung der Stiftung im Jahr 1999 bis zum 31. Dezember 2010 Zuwendungen im Wert von 1.083.932,27 € in den Kapitalstock. Das Buchvermögen der Stiftung, bestehend aus Wertpapieren und einem geringen Betrag auf dem Girokonto, betrug zu diesem Zeitpunkt 1.116.210,99 €. Somit ist die Werterhaltung des Vermögens, die eine mittlere jährliche Geldentwertung von 1,5% berücksichtigt, gewährleistet. Dass dafür ein Teil der Erträge benötigt wurde, ist selbstverständlich. Der Börsenschwankungen in den Jahren 2001/2002 und 2008/2009 wegen, war das besonders deutlich zu spüren. Der Vorstand wird auch in Zukunft alles dafür tun, den nominellen Wert der eingegangenen Zuwendungen durch eine der aktuellen Inflation angepasste Rücklage zu ergänzen, um den realen Wert des Vermögens zu erhalten.

Im Laufe des Jahres 2010 erhielt die Stiftung Zuwendungen von insgesamt 73.609,90 €. Einige Details zu den Zuwendungen: Dreiundzwanzig Mal waren die Beträge gleich 1.000 € oder größer, es gab acht Sammelspenden anlässlich von Geburtstagen, zwei anlässlich von Todesfällen und eine anlässlich eines Familientreffens. Durch kumulierte Beträge oder Einzelspenden wurden 39 Personen und Organisationen in die Stiftertafel eingetragen. Die Kosten für Verwaltung betrugen 1.682,09 € und es wurden 12.500,00 € an Fördermitteln ausgeschüttet. Der Förderbetrag floss in die Gehaltskonten von drei der oben genannten Teilzeitkräfte. Die Stiftung wird voraussichtlich auch in diesem Jahr eine ähnlich große Summe ausschütten. Im Januar wurden bereits 11.500,00 € überwiesen.

Ziehen wir eine Bilanz des Jahres 2010, müssen wir feststellen, dass der Spendeneingang dem Durchschnitt der letzten elf Jahre entspricht. Haben wir unser konkretes Ziel im Blick, stellen wir durch eine einfache Rechnung fest, dass die angestrebten vier Millionen in diesem Tempo erst in rund 57 Jahren erreicht werden. Ob es dann die Bibliothek noch gibt? Hoffen wir es! Sicherer aber wäre es, wenn sich eine größere Anzahl von Menschen für die Erhaltung unserer geschichtlichen und kulturellen Zeugnisse einsetzen würde. Ich bitte inständig darum!

Konto 211 029 013 bei der Volksbank Oberberg eG, BLZ 384 621 35

Hatto Scheiner

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